Praxis für Psychosomatische Medizin u. Psychotherapie, Coaching, Mediation u. Prävention
Dr. Dr. med. Herbert Mück (51061 Köln)

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Life-Therapie-Tagebuch:

2. Sitzung

In meinem Kopf kreisten vor der Sitzung alle möglichen Gedanken, insbesondere darüber, dass ich nicht konzentriert genug sein könnte, um meine Gefühle und Gedanken auf den Punkt zu bringen und dadurch Dr. Mück vielleicht nicht den richtigen Ansatz für die Ursache meiner Probleme nennen könnte.

Nach anfänglicher Anspannung fühlte ich mich aber schon nach wenigen Minuten sehr ruhig und gelassen. Dr. Mück hatte mich das Gespräch eröffnen lassen und es gefiel ihm, dass ich als erstes sagte, dass ich angespannt bin.

Ich habe zuerst viel erzählt von der vergangenen Woche. Meine Angst, in ein Loch zu fallen, hat sich Gott sei dank nicht bestätigt. Es ging mir zwar nicht unbedingt immer gut, aber das Abtauchen in dieses Loch, in diese andere Welt blieb mir erspart. Auch die depressiven Phasen die ich in der vorausgegangenen Woche hatte, waren seit dem Wochenende verschwunden.

Ich glaube, dass mich die konsequente Unterbrechung von negativen Gedanken und dem bewussten positiven Denken vor dem Schlimmsten bewahrt hat.

Wir kamen in der Therapiestunde auf meine Kindheit zu sprechen. Ich denke, dass viele Probleme in meiner Kindheit entstanden sind, es ist wohl sehr schwer, die Ursache herauszufinden, zumal es wohl meist nicht nur eine Ursache alleine ist. Dr. Mück meinte, dass es sich bei mir aber schon lohnen würde, dort genauer nachzuforschen.

Dr. Mück erzählte mir dazu eine Geschichte von einem kleinen Mädchen. Dessen Entwicklung wurde über einen sehr langen Zeitraum beobachtet.

Durch eine Krankheit musste es in den ersten sechs Lebensmonaten beim Füttern auf eine besondere Weise gehalten werden. Es zeigte sich Jahre später, dass sie ihre Puppen mit denen sie spielte und auch ihr eigenes Mädchen, das sie recht früh bekam, auf die gleiche Weise hielt. Noch überraschender stellte man fest, dass auch die nächste Generation wieder dieses Verhalten zeigte.

Für mich bedeutete das, dass die Ursachen für meine Probleme vielleicht gar nicht in meinem Leben selbst entstanden sind, sondern von vorherigen Generationen an mich weitergegeben wurden. Wenn ich darüber nachdenke, entsteht so ein Gefühl, dass ich vielleicht gar nicht anders konnte, als mich so zu entwickeln.

Meine Aufgabe für die Zeit zwischen den Sitzungen war deshalb, mich intensiv mit meinen Eltern über meine ersten Lebensjahre, über ihr eigenes Leben und auch über das Leben meiner Großeltern zu unterhalten.

Bei dem Gespräch mit meiner Eltern wusste ich zuerst gar nicht, wie ich die Sache angehen soll, was ich fragen soll oder was wichtig für mich sein könnte. Ich war mir aber ziemlich sicher, dass die Vergangenheit von meinem Vater für mich interessant sein könnte, weil ich glaube, dass wir uns teilweise sehr ähnlich sind, dass vor allem unser Schamgefühl sehr ausgeprägt ist.

Ich habe schon immer ein sehr offenes und liebevolles Verhältnis zu meinen Eltern gehabt. Es ist mir nicht schwer gefallen, mich ihnen zu öffnen. Ich hatte mit meiner Mutter vor dem Treffen am Telefon schon über die Sache gesprochen, mein Vater hat sich deshalb sicherlich im Vorfeld schon Gedanken gemacht. Er war anders als sonst, strahlte sehr viel Persönlichkeit und Sicherheit aus, es hat mir gut gefallen. Er war sehr offensiv und ist auf mich zugegangen, wollte wissen, was mich bedrückt.

Es entwickelte sich ein Gespräch, bei dem er mir von seinen Erlebnissen als Kind erzählt hat. Besonders wichtig war für mich die Geschichte, als er nach Kriegsende mit Mutter, Bruder und Schwester in einer Nacht und Nebelaktion aus dem jetzigen Oberschlesien in den Westen flüchten musste, nachdem die russischen Armeen immer näher kamen und sogar eine Granate im eigenen Haus explodierte. Sie hätten ihre Deutschzugehörigkeit ablegen können und bleiben können, das kam für meine Oma aber nicht in Frage. Mein Opa war zu der Zeit in Russland an der Front.

Als mein Vater anfing, davon zu erzählen, wie sie sich verstecken mussten, wie sie eines Nachts zum Bahnhof geschickt wurden und wie so viele Menschenmassen sich dort schon versammelt hatten, platzte es aus mir heraus. Ich konnte meine Gefühle nicht unterdrücken, ich konnte nichts dagegen tun, dass ich Rotz und Wasser heulen musste. Es war ein Gefühl, des Mitleids, der Verzweiflung, der Ohnmacht. Mehrmals kam es dazu, dass ich in Tränen ausbrach. Ich konnte mir nicht erklären, warum ich in der Situation eine so extreme Reaktion zeigte. Meine Eltern reagierten absolut verständnisvoll, es war gut und es war in dem Moment sehr befreiend.

Das Gespräch hat mir sehr gut getan. Ich frage mich nur, ob ich in der Situation gerade besonders empfindsam war oder ob mein Gefühlsausbruch etwas war, das mich schon länger belastet.

Am nächsten Tag bin ich auch mit einem ungewöhnlichen Gedanken aufgewacht. Mir kam es wirklich so vor, als wenn sich mir etwas erschlossen hätte, als wenn ich etwas gefunden hätte, nach dem ich bislang überhaupt noch nicht gesucht hatte. Ich habe häufig gespürt, dass ich eine merkwürdige Ungewissheit in mir trug, mich gefragt habe, wo ich herkomme, auf welchen Ort ich mein Leben beziehen kann, wo meine Wurzeln sind und ich hatte auch manchmal das Gefühl, dass ich irgendwo hin zurück muss.

Ich weiß es nicht, ob es tatsächlich etwas zu bedeuten hatte, vielleicht war es einfach eine Anspannung die sich entladen hatte. Es ging mir an dem Tag des Gesprächs mit meinen Eltern nicht so gut, vorher zumindest, und leider konnte ich auch das gute Gefühl, was ich am Tag danach hatte, nicht behalten, ich fühlte mich immer mehr bedrückt, hatte Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren, hatte auch zwei oder drei richtige Tiefs, die mir auch jetzt noch nachlaufen.

Zu Sitzung 3